Kolumne Michel Gammenthaler Mai 2014 Bright Entertainment

Jedes Mal wenn ich irgendwo auftrete, rede ich mit den Veranstaltern über Ihre Erlebnisse mit Künstlern und Acts im Rahmen vergangener Veranstaltungen. Wenn man das regelmässig und über Jahre hinweg macht, merkt man relativ schnell, wer welchen Ruf hat bei den Organisatoren. Wegen meiner Vorliebe für solche Geschichten, gelte ich wahrscheinlich als klatsch- und tratschsüchtig. Sei’s drum. Ich höre halt schon gern Stories über wahnsinnig komplizierte C-Promi-Diven, die sich unmöglich aufgeführt haben und von überraschend netten und umgänglichen Top-Shots, die überhaupt nicht so arrogant wie erwartet rüberkamen.

Ein grosses Thema: Die Rider. Die Technik-Rider. Die Backstage-Rider. Auf Ridern wird dem Veranstalter im Vorfeld mitgeteilt, was sein muss. Auf Technik-Ridern stehen die Anforderungen betreffend Licht, Ton und Bühne. Da kann es dann schon vorkommen, dass man von einem auf der Erfolgswelle reitenden Kleinkünstler der beim letzten Mal noch „einen Stuhl und eine Spielfläche von 2 x 2 Metern“ benötigte, beim nächsten Programm ein 12-seitiges Manual mit Technik-„Wünschen“ aufs Pult geknallt kriegt. Und sich dann fragt, ob man nicht besser gleich Céline Dion gebucht hätte. 

Noch bizarrer wird es bei den Backstage-Ridern. Der eine benötigt sechs Flaschen Weisswein, der andere muss einen Teppichboden haben in der Garderobe und wieder andere kommen nicht ohne Bügeleisen aus. 

Mit diesen Aufstellungen ist es so eine Sache. Einerseits sind es selten die Künstler selber, die diese verfassen. Andererseits werden sie oft gar nicht wirklich gelesen. Geschweige denn erfüllt. Bei mir steht seit Jahren das Gleiche drin und trotzdem gibt es immer wieder neue Varianten. Von „Gar nichts“ bis „Schlaraffenland“ habe ich schon alles angetroffen. Umso witziger, wenn mühselig jedes Detail erfüllt wird, nur um dann einen Künstler anzutreffen, der aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. So wurde mir einmal erzählt, dass sich der Schweizer Kabarett-Übervater Emil gewundert, ja fast geärgert hätte, warum er in der Garderobe immer nur Salami-Sandwiches vorfinde. Bis ihm dann eine Veranstalterin offenbarte, dass dies genau so auf seinem Backstage-Rider stünde. 

Ähnlich ging es mir mit meinem Techrider. Bei meinem ersten Programm benötigte ich noch einen Mini-Disc-Player. Der Player wurde über Jahre hinweg in die jeweils aktuellen Rider weiter ge-copy-pastet. Einfach so. Gemerkt habe ich es erst, als mein Techniker mir irgendwann sagte, dass es ihn langsam nervt, höflichkeitshalber jeden Abend so zu tun, als ob er einen benutzen würde...

Michel Gammenthaler | Mai 2014
— Bright Entertainment AG

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