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Espresso

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Achtung, fertig, Bauch einziehen

Kolumne Michel Gammenthaler Bright Entertainment Maerz 2014

Ich esse mit ein paar Leuten zu Mittag. Alle sehr achtsam. Zurückhaltend. Salat. Vegi. Wasser. Keine  Süssigkeiten. Gar kein Dessert. Nur Espresso. Ohne Zucker. Der fiese Frühling fängt dieses Jahr viel zu früh an.  Da schaut man schon Ende Februar Richtung Freibad. Schrecklich. 

Wir klopfen uns alle gegenseitig auf die Schulter. Wenigstens verbal. Ja, ja. Schon richtig. Wir machen das alle  sehr gut. Der erste Badehosen-Tag kommt schneller, als man denkt. 
Da setzt sich der braungebrannte, gutgelaunte Rolf zu uns an den Tisch, kippt ordentlich Zucker in den Kaffee  und gönnt sich ein grosses Stück Schokolade. Wie wenn er unsere Gedanken gelesen hätte, meint er: "Seit ich mit Sport aufgehört habe und wieder esse was ich will, geht's mir super!" Hm.

Diese Einstellung habe ich auch. Manchmal. Immer dann wenn ich nicht in der "Jetzt-muss-ein-Sixpack-her"- Phase bin. Die beiden Extreme wechseln sich bei mir zuverlässig ab. Schon seit Jahren. Entweder bin ich hyper-diszipliniert, esse perfekt nach Plan und trainiere wie ein Wilder. Oder ich lasse es ganz sausen und gebe mich  völlig dem Geniessen hin. Esse nach Lust und Laune. Feiere das Leben. 

Beide Zustände machen mich nicht glücklich. Nur diszipliniert sein? Öd. Mich ständig gehen lassen. Auch u nbefriedigend. Also alles mit Mass. Auch das Mass... 

Mass? Ich könnte jetzt ein Bier vertragen. Oder zwei. Und von einer Welt träumen, in der man vom Arzt  gemahnt wird, öfter mal ein Cordon Bleu zu essen. In der Jogging dick macht. Und man regelmässig Creme-Schnitten zu sich nehmen sollte. Wegen der Omega-3-Fettsäuren. Genau. Das wär's... seufz. Wo sind eigentlich meine Laufschuhe?

Michel Gammanthaler | März 2014
— Bright Entertainment AG

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